Ein Hovawart macht Agility

 

Bei uns begann es so:

Es war das Jahr 1998 als wir unseren Hund bekamen. Unser Hund heißt Leo und ist ein blonder Hovawart-Rüde. Leo sollte ins Tierheim, weil seine Besitzer keine Zeit mehr für ihn hatten. Wahrscheinlich hatten sie noch nie Zeit, da Leo sich seine Spaziergänge immer selbst organisierte. Zäune und hohe Hecken waren dabei auch kein Problem. Nun dachten wir, er ist ja noch jung (11 Monate), das lernt er noch alles. Obwohl wir viel mit ihm unterwegs waren und er seinen Kumpel gleich nebenan hatte (Hovawart sm), war er einfach nicht ausgelastet. Das zeigte sich dadurch, dass er z. B. mal eben das Küchenfenster aufmachte, auf die Garage sprang und von dort in den Garten. Oder er machte sich die Loggiatür auf und sprang mal eben vom 1.Stock in den Garten (über eine 1 m hohe Brüstung). Dass Hovawarte eigenwillig sind, hatten wir mittlerweile gelernt und akzeptiert (Erfahrung war nur mit Schäferhunden vorhanden), aber so konnte das nicht weitergehen. In der Zeitung las ich, dass der Agility-Verein einen Tag der offenen Tür veranstaltete. Na ja, angucken können wir uns das ja mal.

Das erste Mal Agility

Ich war schon etwas aufgeregt, als ich das erste Mal auf einem Hundeplatz war. Aber was sollte mir passieren, mein Hund war hübsch, groß und intelligent. Der würde im Nu dieses "Agility" lernen! Träume darf man ja noch haben. Die Wahrheit sah aber ganz anders aus. Der Hund hat die Anfänge relativ schnell gelernt. Das einzige Hindernis war ich. Mensch Meier, auf was man alles achten musste. Nicht zu dicht am Hund laufen, das Hindernis im Auge behalten, sich rechtzeitig drehen, aber dabei den Hund nicht aus den Augen lassen. In meinen Beinen war mehr als einmal ein Knoten drin. Meine KÕRPERSPRACHE war damals doch recht unausgeglichen. Aber wir lernten jeden Samstag etwas Neues dazu und langsam ging's bergauf. Dann kam die Phase, wo Leo sich wieder stur stellte. Im Tunnel war ich eben schon, Hürden? Ich! Springen? Nö, das mach ich nicht. Das war die Phase, wo man ans Aufgeben denkt. Mein Hund lernt das nie! Aber ich kann alle beruhigen, auch diese Phasen gehen vorüber. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, irgendwann kommt dieser Klick. Und wenn es „klick“ gemacht hat, dann ist Agility fun!

Das erste Turnier           

"Auf Turniere will ich sowieso nicht gehen" sagte ich, als ich anfing. Man kann seine Meinung ja mal ändern. Nachdem Leo und ich uns doch recht gut zusammengerauft hatten und wir die Begleithundeprüfung bestanden hatten, reizte es mich schon, mal mit zu einem Turnier zu fahren. Jörn erzählte immer viel von diesen Turnieren, dass die Atmosphäre toll ist und dass es einfach Spaß bringt, sich mit anderen zu messen. Unser erstes Turnier war beim VSD Fuhlsbüttel. Dort durften auch A0 (Turnier-Anfänger) starten. Beim A0 ist kein Slalom, das erleichterte die Sache, weil Leo beschlossen hatte, dass ihm die Stangen zu eng nebeneinander standen. Nun ja, der Tag kam, und wir fuhren nach Fuhlsbüttel. Toll, überall ein Hallo und guten Morgen (7:00 Uhr), es wurden Zelte und Pavillons aufgebaut, es war wirklich eine tolle Stimmung. 9.00 Uhr, das Turnier begann. Nach den anderen Hunden waren wir nun endlich dran. Ich setzte Leo an den Start und ging in den Parcours. Mann, was waren meine Beine wackelig, konnte ich überhaupt damit laufen, hab ich nicht gerade den Parcours vergessen?
Ich gab Leo das Startzeichen, und es ging los. Wau, man wie schnell ist der denn heute? Mit einer, bei ihm noch nicht erlebten rasenden Geschwindigkeit nahm er den Parcours. Schwups, waren wir am Ziel. Mein Trainer war begeistert und ich auch. Na, so kann es weitergehen. Als wir wieder dran waren, war ich nicht mehr so aufgeregt, aber mein Hund umso mehr. Er schnüffelte und schnüffelte und schnüffelte. Na ja, davon nicht in die Irre führen lassen. Ich setzte Leo an den Start, nahm meine Position im Parcours ein, drehte mich um und ...... mein Hund war weg. Er schnüffelte und schnüffelte und schnüffelte. Also Hund holen, erneut an den Start setzen. So ein Sch.......! Nun startete ich mit Leo zusammen, und wir waren bereits bis zur A-Wand gekommen, die genau in der Mitte vom Parcours stand. Und was machte Leo als er oben stand? Herrchen steht da hinten, da muss ich ganz schnell hin, bevor der noch verschwindet, dachte er und ließ mich allein im Parcours stehen. Nun denn, wir konnten uns ja noch im Jumping beweisen. Der Jumping kam, und Leo schnüffelte und schnüffelte und schnüffelte. Beim Start war ich so nervös, dass ich mich gleich falsch hinstellte. Die Folge war, dass Leo natürlich falsch sprang und ich nach dem 3.Hindernis aufgab. Toll, so hatte ich mir mein erstes Turnier nicht vorgestellt.

Nun ist Leo mittlerweile älter, aber er hat immer noch den Schalk im Nacken. Mal ist er langsam wie die Schneckenpost, mal spielt er den rasenden Willi. Man sieht ihm genau an, wann er wieder irgendwelchen Sch... bauen will. Dann hat er so ein Glitzern in den Augen, und man hat das Gefühl, als ob er grinst. Dann weis man nie, was er im Parcours macht. Wir fahren aber immer noch gerne zu Turnieren, weil es einfach Spaß bringt.

 

Resümee

Hast du das Ziel einmal ins Auge gefasst, erträgst du alle Unannehmlichkeiten.

 

Aktualisierung Dezember 2010 :

Mancher wird sich sicherlich fragen, lebt der Hund eigentlich noch?

So sieht Leo heute aus!

Ja, das tut er und als Mensch würde ich sagen nicht schlecht.

Er ist jetzt 13 Jahre alt, hat einen komplizierten Beinbruch mit 12 Jahren weggesteckt und freut sich seines Lebens. Sicherlich ist er ruhiger geworden, aber was er immernoch gerne macht, ist zum Hundeplatz fahren. Sobald die Kofferraumklappe sich öffnet, gibt es ein Wettrennen mit meinem Zweithund wer zuerst an der Pforte ist. Danach werden erstmal alle begrüßt und der Platz inspiziert. Wenn wir dann trainieren, liegt er dazwischen und schläft gemütlich. Aber das allergrößte ist, mit auf die Turniere zu fahren. Sicherlich muss ich ihn auch manchmal morgens wecken, aber dann freut er sich riesig, denn das kann nur eins bedeuten: Turnier. Das findet er toll, auch wenn er abends sehr müde ist.

Autor: Andrea Wähling